- Beispiele für Förderziele

Für die nachfolgende, stichwortartige Zusammenstellung von Förderzielen werteten wir Förderpläne aus, die für Schülerinnen und Schüler ersten und zweiten Jahrgangs entwickeltet wurden. Die Kinder befanden sich in der „Förderdiagnostischen Lernbeobachtung“. Die Lehrerinnen nutzten unter anderem die „Förderdiagnostischen Kriterien“, die einen Leitfaden für die Entwicklung von Förderzielen anbieten. Für jeden einzelnen Schüler wurden maximal fünf Förderziele formuliert, die in einem überschaubaren Zeitraum erreichbar sein sollten. Oft gab es für einen Schüler je ein bis zwei Förderziele für Deutsch oder Mathematik, eines für basale Bereiche (Sprache, Soziale Kompetenzen usw.) und eines für die Motivation und das Lern- und Arbeitsverhalten. Als angemessen betrachtet werden konnten Förderziele, die bei entsprechend zielstrebiger Arbeit auch tatsächlich erreicht wurden und sich als wichtiger Vorbereitungsschritt für das weitere Lernen erwiesen. Davon, ob alle Ziel-Beispiele sich durch eine solche Qualität auszeichneten, abstrahieren wir an dieser Stelle. Für diese Frage müssen die differenzierten Falldarstellungen herangezogen werden (siehe Forschungsbericht: Matthes, Salzberg-Ludwig & Nemetz, 2008). Die Beispielzusammenstellung zeigt, dass manche Förderziele gleichzeitig eine Fördermethode beinhalten. Es wäre müßig, darüber zu streiten, ob es sich bei manchen Anstrichen um ein „Ziel“ oder doch eher um eine „Methode“ handelt

Förderziele für die Lernbereiche: Artikulationskontrolle einüben – absolute Buchstabensicherheit folgender Buchstaben: … – Auseinandernehmen (Bewusstwerden) von Graphem-Phonem-Beziehungen – Strategien der „Pilotsprache“ üben – Strategie des Abschreibens von Wörtern mit Mitlauthäufungen üben – Segmentierung nach Silben einüben (beim Lesen längerer Wörter) - motorische Schwierigkeiten bei Schreiben umgehen (Hilfszeilen) – Wörter aus einer Indianersprache lesen (= Übung zum Synthetisieren bzw. Zusammenschleifen) – beim Lesen ausdrücklich auf die Endungen achten (Verminderung des Ratens) – einfache Wörter optisch in Silben gliedern …

„Blitzlesen“ von Mengen bis 5 – Zählen mit allen Sinnen im Bereich bis 9 – bei automatisierten Rechenoperationen auf die Ebene der konkreten Handlung zurückgehen – vielfältiges Bündeln im Bereich bis 15 – Automatisierung des Zerlegens mit Hilfe der Tripel-Darstellung – Ergänzen zum vollen Zehner automatisieren – Übungen mit der Stellenwerttafel – anschaulich gegebene Mengen im Bereich bis 20 schätzen – die Zehnerstreifen für das Addieren und Subtrahieren im Bereich bis 20 nutzen …

Förderziele für basale Bereiche: von der Körper-Mittelinie ausgehendes Schreiben „rechter“ und „linker“ Zahlen an der Tafel und Erkennen der rechten Seite – Förderung der optischen Differenzierung bei buchstabenähnlichen Zeichen – Ertasten von Gegenständen im Tastkasten oder unter dem Tuch – Automatisierung und Verallgemeinerung des K- und des G-Lautes – Übungen im Klassifizieren von Gegenständen – Übungen im Ordnen von Gegenständen nach mehreren Gesichtspunkten (z.B. Form, Farbe, Größe) – sich auf ein Planungsgespräch für eine Lernaufgabe einlassen – andere Schüler bei gemeinsamen Aufgaben zu Wort kommen lassen (mittels „Feedback im Sekundenfenster“ nach Jansen und Streit) – beim Morgenkreis etwas sagen — kurzzeitigen Körperkontakt zulassen können – angemessene Kritik verarbeiten …

Förderziele für das Lern- und Arbeitsverhalten: An den neuen Platz gewöhnen und ohne Ablenkungen arbeiten – Signalkärtchen für ungestörtes Arbeiten annehmen und beachten – auch gegen Ende der Aufgabe sorgfältig arbeiten – zur Strukturierung der Wochenplanarbeit beitragen – nach der Aufgabenstellung mit der Arbeit beginnen – bei Flüchtigkeitsfehler noch einmal nachdenken und sorgfältiger arbeiten – ausreichend langsam arbeiten – Arbeitsmittel bereitlegen – auf Entspannungsübungen eingehen können – das erarbeitete Stop-Kärtchen nutzen können (Impulskontrolle) – eine Hilfestellung annehmen können …

Förderziele für die Motivation: den „Lernfuchs“ als Lernbegleiter annehmen – bei Zielsetzungsübungen mitarbeiten – einschätzen können: Was war leicht, was war schwierig? / Was kann ich schon? – mit Hilfe der „Selbsteinschätzungsleiter“ zum Finden eines nächstes Zieles für Mathematik beitragen – das „Anstrengungsthermometer“ verwenden können – Suche die Wörter heraus, die du schon kannst! – Was habe ich seit … gelernt? – stolz sein, wenn etwas gelingt – an Beispielen erkennen, dass durch Anstrengung etwas erreicht werden kann – nicht immer nur die leichteste Aufgabe wählen – etwas darüber sagen können, was gut gelungen ist und weshalb – bei Schwierigkeitserleben nicht sofort aufgeben – nicht gleich sagen „Ich kann das nicht!“ …

 

Aus den Förderplänen für einzelnen Schüler (Förderdiagnostische Lernbeobachtung 1. Und 2. Schuljahrgang):

Kind 02-1             

  • Sichere Laut-Buchstabe-Zuordnung
  • Verbesserung der Lesefertigkeit beim Silbenlesen (2 Silben)
  • Verbesserung der Inlautdifferenzierung (zwei und dreisilbige Wörter ohne Mitlauthäufung)
  • Selbstständiger Umgang mit 1 x 1 Kästchenfeldern bei der Multiplikation

Kind 07-2             

  • Selbstständiges Erlesen mehrsilbiger Wörter
  • Sinnerfassung bei einfachen, kurzen Texten (Schwierigkeitsstufe siehe Kretschmann, Dobrindt & Behring, 1998, S. 98)
  • Selbstständiges Signalisieren bei Hilfebedarf
  • Addieren und Subtrahieren von einstelligen Zahlen bis 6 mit Über- und Unterschreiten des Zehners

Kind 10-1             

  • Verbesserung der Simultanerfassung bis 5 bei regelmäßiger Anordnung
  • Wecken der phonologischen Bewusstheit – Schreiben des eigenen Namens
  • Kritik angemessen und altersgerecht ertragen

 

Kind 13-2             

  • Schreibmotorische Förderung
  • Verbesserung der Rechts-Links-Sicherheit
  • Verbesserung des Lesen durch das Segmentieren von längeren Wörtern
  • Lern- und Arbeitsverhalten und Arbeitsrhythmus: Wie fange ich an? Ich warte ab, bis die Aufgabe vollständig angesagt wurde und fange dann an.
  • Arbeitstechniken: Anlegen von Tabellen

Kind 14-2             

  • Lesen und Schreiben: akustische Durchgliederung
  • Selbstwertstabilisierung. Was kann ich?
  • Selbstkontrolle entwickeln (vor Eskalation Vertrauensperson aufsuchen)

Kind 16-1             

  • Entspannungsübung annehmen, abschalten, Beruhigung, Vorstellungskraft entwickeln
  • Selbstkontrolle des eigenen Verhaltens (Selbstwahrnehmung fördern, Einschätzung des eigenen Verhaltens anhand eines grünen Verhaltensheft mit + und -)
  • Verbesserung der Orientierung im Raum (rechts – links)
  • Auspacken der Arbeitsmaterialien