Langfristige Ziele erarbeiten

Langfristige Ziele sind individuelle Entwicklungsaufgaben, d.h. erreichbare und für die Entwicklung des Kindes besonders wichtige Ziele, die an den Möglichkeiten des Kindes anknüpfen und für die das Kind aufgeschlossen ist bzw. interessiert werden kann.

Individuelle Entwicklungsaufgaben wenden den Blick nach vorn. Das ist wichtiger als die Feststellung von Schwierigkeiten. Sie werden positiv formuliert und somit als Lernziele verstanden (nicht „Überwindung der Konzentrationsschwierigkeiten“, sondern „Entwicklung von Lern- und Arbeitsgewohnheiten“).

Bei der Planung der langfristigen Förderziele werden drei Fragen beantwortet: 

  1. Wie könnte der Schüler in einigen Monaten lernen? Was
    könnte, wenn wir eine positive Entwicklung voraussetzen und realistisch denken,
    in seinem Lernen dann erreicht sein?
  2. Welche langfristigen individuellen Entwicklungsziele sind dafür notwendig?
  3. Welche organisatorischen und andere Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um die Ziele erreichen zu können?

Bei der Beratung über die Entwicklungsaufgaben eines Grundschulkindes wird man denken an

  • die Erweiterung seines Wissens und der praktischen Kompetenzen,
  • den individuellen Prozess des Lesen- und Schreibenlernens,
  • die Entwicklung der mathematischen Fähigkeiten,
  • die Entwicklung der Fähigkeiten zu konkreten Denkoperationen (Herauslösen von Merkmalen, Vergleichen, Übertragen von Bezieheungen auf andere Sachverhalte),
  • das Lern- und Arbeitsverhalten, die Konzentrationfähigkeit, die Fähigkeiten zur Handlungsausführung,
  • die Lern- und Leistungsmotivation,
  • die Selbstkontrolle und die Fähigkeiten des Kindes zum Belohnungsaufschub (warten zu können),
  • die Differenzierung seines Selbstkonzepts (fleißig, klug, hilfsbereit ...),
  • die Fähigkeiten, moralische Unterscheidungen zu treffen,
  • die sozialen Kompetenzen und das kooperative Lernen,
  • das Selbstvertrauen des Kindes.

Auch wenn die längerfristigen individuellen Entwicklungsziele nur im Umriss abgesteckt werden können, müssen alle Beteiligten darüber diskutieren und sich möglichst abstimmen: die Eltern, das Kind, die Lehrkräfte, die Fachkräfte aus anderen Bereichen (Psychologen, Therapeuten, Erzieher etc.).

In Teamberatungen kommt es darauf an, dass die Beratungsteilnehmer sich nicht gegenseitig blockieren. Geäußerte Gedanken können aufgegriffen, dürfen aber nicht kritisiert werden. Damit Ideen nicht im Ansatz stecken bleiben und verloren gehen, werden sie von jedem einzelnen Teilnehmer notiert (Karteikarten). Nach der Diskussion werden die Fernziele und weitere Festlegungen in wenigen Anstrichen im Beratungsprotokoll festgehalten oder in eine Blanko-Abbildung des Wirkungsgefüges des Lernens eingetragen. Nur wenn die Zielstellung klar, einfach und ein „gemeinsames Gut“ ist, können alle Beteiligten sie später bei der Unterrichtsvorbereitung berücksichtigen.

Beim Nachdenken und bei der Beratung über die langfristigen Förderziele kann das "Struktur-Lege-Verfahren Förderziele" gute Dienste leisten.

Oft werden die Ergebnisse der langfristigen Planung, wie im folgenden Beispiel, schriftlich festgehalten.

In dem Beispiel sind individuelle Entwicklungsaufgaben gar nicht direkt formuliert worden. Sie ergeben sich aber aus den Problemen, die im Punkt b) dieses Planes genannt werden. Aus diesem Punkt ergeben sich die wichtigsten nächsten Entwicklungsschritte, z.B. die Entwicklung der Lernfreude und -zuversicht (zunächst in den Förderstunden und bei einigen Lerngegenständen) und das Verstehen der Laut-Buchstaben-Korrespondenz.