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(6) Wirkzusammenhänge

Mit Hilfe eines Strukturbild soll die psychologische Logik aufgedeckt werden, die in den Lernsituationen herrscht, für die wir uns bei dem Kind besonders interessieren.

 

Eine allgemeine Diagnose (z.B. das Kind hat AVWS, ADHS, Intelligenzschwäche, Bindungsstörungen) soll das Strukturbild nicht aufzeigen. Vielmehr soll etwas beleuchtet werden, was in dem Fall bisher zu unklar blieb: Dafür beschreibt der Begriff ‘Subjektlogik‘ "ein pädagogisches Paradigma von herausragender pädagogischer Bedeutung. Demnach entspricht jedes Verhalten den inneren (teils unbewussten) Bedürfnissen und Nöten der jungen Menschen sowie ihren Wünschen an die pädagogische Beziehung. Demnach hat Verhalten immer einen ‚guten Grund‘ – was nicht bedeutet, dass jedes Verhalten toleriert werden muss“ (Zimmermann, 2017, S. 8). Bleiben uns die psychologischen Zusammenhänge verborgen, so geraten wir ganz leicht in einen hilflosen Aktionismus, der mit Förderung nichts zu tun hat.

 

In dem Strukturbild sollen die gegenwärtig dominierenden Wirkfaktoren zum Ausdruck kommen, also das, was die Probleme aufrechterhält (z.B. Defizite im Vorwissen, Wahrnehmungsbesonderheiten, Entmutigung, geringes Selbstwertgefühl, Über- oder Unterforderung, gestörte Beziehungen oder problematische Handlungs- und Bewältigungsstrategien).

Strukturbild Pia

Strukturbild Michael

Voraussetzungen der Entwicklung eines Bildes der Wirkstruktur:

1.störungsfreie Rahmenbedingungen, wenn Sie die Struktur entwickeln

2.Offenheit für die Vielfalt der Wirkzusammenhänge

3.Einfühlung in die Innenseite des Schülerhandelns

4.Bewusstheit hinsichtlich des hypothetischen Charakters. Psychologische Annahmen sind immer mit Unsicherheit behaftet. „Es könnte auch anders sein.“

 
Die Analyse der Wirkzusammenhänge verlangt einen gewissen Aufwand. Überflüssig wäre er, wenn die Ursachen problematischer Lernsituationen bereits auf der Hand liegen. Vielleicht steht eine durchgehende Überforderung des Kindes bereits außer Zweifel. Oder didaktische Fehler sind deutlich geworden. Dann erübrigt sich ein Strukturbild.
 

Wie können wir das Strukturbild erarbeiten?

 

Zum Arbeitsmaterial des Verfahrens gehören 30 Kärtchen, die sich in dem Handbuch "Förderkonzepte - einfühlsam und gelingend" befinden. Im Handbuch wird ein Weg beschrieben, wie Sie zu der Struktur gelangen.

 

Oder Sie arbeiten ausschließlich mit handgeschriebenen Kärtchen. Fertigen Sie maximal 10 kleine Stichwortzettel an, von denen jeder einen Ursachen- und Bedingungsfaktor (Wirkfaktor) nennt. Für eigene Formulierungen können Sie die Stichwortliste zu beeinträchtigenden Wirkfaktoren nutzen.

Für die Anfertigung der maximal 10 Kärtchen werden Sie kaum weniger als 20 Minuten benötigen, denn Sie vertiefen sich in die Perspektiven und Handlungsabläufe des Kindes und in die Wirkung von sozialen Situationen, Lernangeboten, -hilfen und -umgebungen.

Auch die Stichwortliste zu Wirkfaktoren kann der zur Erarbeitung des Strkturbildes genutzt werden.